Video on Demand: Eine neue TV-Ära und ihre Auswirkungen auf die Hotellerie

 Video on Demand Dienste wie Netflix entwickelt derzeit eine neue, flexible und personalisierte Form des Fernsehens.  Foto (c) Photodune


Eine neue Ära
Endlich ist es soweit: Der Online-Video-Dienst Netflix startete im September sein umfangreiches Angebot in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Während die US-Firma selbst noch versucht, die hohen Erwartungen vorerst etwas zu bremsen, erwarten sich Medienexperten nichts weniger als ein neues TV-Zeitalter. Exakt 30 Jahre nachdem in Deutschland der erste private Fernsehsender on Air ging, soll heute dank Netflix die nächste Zeitenwende anstehen.

Erfolgreiches Geschäftsmodell 
Das überaus erfolgreiche Geschäftsmodell des Online-Dienstes ist schnell erklärt: Netflix stellt einen umfangreichen Katalog von Hollywoodfilmen, Dokus und TV-Serien -  zu einem günstigen Abo-Preis von etwa 7 bis 10 Euro im Monat - als Video-Stream über seine eigenen Apps zur Verfügung. Die Inhalte können auf Smart-TVs, Handys, Tablets oder am PC jederzeit abgerufen werden. Das mobile Fernsehen emanzipiert sich somit langsam aber sicher von den starren Strukturen, der kostspieligen Infrastruktur und den fixen Sendeplätzen der bewährten TV-Anstalten.  Die neuen Services schaffen so eine flexible und personalisierte Form des Fernsehens, die die Mediennutzung nachhaltig verändern könnte.

Respekt in der TV-Branche
Natürlich wird Netflix nicht von heute auf morgen die etablierten TV-Stationen ablösen oder überflüssig machen. Trotzdem ist der Respekt in der Branche groß: So erweitern und verbessern momentan auch zahlreiche Fernsehsender ihre Onlineauftritte und Abruf-Services: Der ORF gab im Vorfeld des Netflix-Starts zum Beispiel bekannt, bei seiner TV-Thek das Serien- und Filmangebot erheblich auszubauen.Der Bezahlsender Sky senkte bereits im Sommer die Abo-Preise für seine eigene Plattform "Sky-Snap" auf 3,90 Euro im Monat und die Pro7/Sat1 Tochter "Maxdome" bekam erst kürzlich einen neuen Markenauftritt und überarbeitete Apps spendiert. Sogar der Internetriese Google reagierte auf die neue Konkurrenz und schaltete zeitgleich mit dem Start des Mitbewerbers seinen eigenen Videodienst "Google Play Movies" für Österreich frei.


Das Angebot ist derzeit noch überschaubar, das Interesse aber enorm. Screenshot (c) Netflix App für Android

Belastung für WLAN Netze und Internet-Infrastruktur
Ein Erfolg der neuen VoD Services ist also abzusehen, ebenso absehbar ist allerdings die intensive Bandbreitenbelastung für öffentliche WLAN-Netzte und die allgemeine Internet-Infrastruktur. In den USA, in denen Netflix bereits mehr Abonnenten aufweist als der renommierte Kabelsender HBO, gibt es durch den Erfolg des Streaming-Dienstes bereits handfeste Auswirkungen für Netzbetreiber und Kunden. Die dortigen Internetprovider machen die Videoplattformen für die Verstopfung der Datenverbindungen verantwortlich. Laut einem Bericht des Wall-Street Journal wird die Internetverbindung des größten US-Internetanbieters Verizon zu Spitzenzeiten um ganze 14% langsamer. Insgesamt sollen die Streaming-Dienste mittlerweile für ein Drittel des gesamten Internettraffic-Aufkommens verantwortlich sein. Ein enormes Datenvolumen, das auch öffentliche WLAN Systeme von  Hotels, Campingplätzen, Flughäfen, usw. vor neue Herausforderungen stellt:

Auswirkungen auf die Hotellerie
Für die störungsfreie Wiedergabe von Netflix wird laut eigenen Angaben pro Stunde immerhin ein Gigabyte an Daten benötigt, in HD-Auflösung sind es bereits drei GB pro Stunde. Umgerechnet sind das etwa 5 bis 7 Mbps, die pro User anfallen. Um sicherzustellen, dass allen Gästen trotz des vermehrten Datenaufkommens ein flottes Internetsurfen ermöglicht wird, können Hoteliers natürlich bestimmte Vorkehrungen treffen:

1. Flächendeckende, zuverlässige WLAN Vernetzung
Das wichtigste Kriterium ist natürlich - wie bei allen anderen Online-Diensten auch - eine zuverlässige und flächendeckende WLAN Vernetzung im ganzen Haus, besonders in allen Zimmern.  Speziell in der Hotellerie gibt es dafür aber keine pauschale Herangehensweise. Dafür sind die Voraussetzungen und Gegebenheiten viel zu unterschiedlich. Daher ist es besonders wichtig, sich bereits vor Installationsbeginn mit den Gegebenheiten vor Ort auseinanderzusetzen. Während bei Neubauten bereits eine strukturierte Datenverkabelung mit eingeplant werden kann, gibt es bei bestehenden Gebäuden verschiedene elegante Möglichkeiten den Umbauaufwand zu minimieren. Zum Beispiel kann die bestehende Fernsehverkabelung (Koax) oder Telefonleitung (ADSL) verwendet werden, um flächendeckend leistungsstarke Access Points zu installieren. Abzuraten ist von so genannten „Point-To-Point“ Verbindungen, die das Signal quasi von einem Sender zum nächsten weiterschicken. Abgesehen von der geringen Übertragungsgeschwindigkeit sind solche Systeme besonders fehleranfällig und unzuverlässig. Wo es technisch möglich ist, sollten die WLAN Access Points also an einer vorhandenen Verkabelung angeschlossen - und idealerweise direkt im Zimmer installiert werden.

2. Bandbreitenmanagement (Low Speed / High Speed)
Aus rechtlicher Sicht ist ein gesicherter Internetzugang für alle Gäste ohnehin dringend zu empfehlen. Ein weiterer Vorteil eines professionellen Internetzugangssystems wie zm Beispiel unserem netcontrol ist darüber hinaus, dass sich damit die Verbindungsgeschwindigkeit für die User perfekt verwalten lässt. So können etwa kostenpflichtige High-Speed-Zugänge für Video on Demand streaming angeboten werden, während eine WLAN Grundversorgung mit geringerer Bandbreite für Email, Facebook & Co. weiterhin gratis zur Verfügung steht. Ein durchaus beliebtes Modell, das immer mehr unserer Kunden im Einsatz haben und damit erfolgreich ihren Internettraffic regulieren.

3. High-Speed-Internet Zugang
Natürlich ist auch der Internetanschluss vom Provider ein wesentlicher Faktor für eine solide Übertragungsqualität der Videodienste. In Regionen mit entsprechender Infrastruktur sind Breitbandzugänge oft recht Kostengünstig zu haben. Ein mögliches Upgrade des bestehenden Internetzugangs sollte also entsprechend ausführlich geprüft werden. Insbesondere im ländlichen Raum ist die Versorgung mit High-Speed-Internet aber oft noch lückenhaft. Umso mehr ist dort umsichtiges Bandbreitenmanagement wie oben beschrieben gefragt, damit die Verbindungsgeschwindigkeit nicht durch die intensive Nutzung der neuen Services gebremst wird.

Fazit
Das mobile Fernsehen steht gerade erst am Anfang, das Entwicklungspotential ist allerdings enorm. Mit dem Start von Netflix erleben wir gerade den Beginn einer neuen Form der Mediennutzung, die das klassische Fernsehen zwar keinesfalls ablösen kann, aber eine sinnvolle und zukunftsträchtige Ergänzung dazu darstellt. Mit etwas vorausschauender Planung kann in Hotels bereits heute der Grundstein für die Services der Zukunft gelegt werden.

Sie sind gefragt!
Finden Sie Video on Demand Dienste sinnvoll? Welche dieser Dienste nutzen Sie bereits privat? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Bieten Sie in Ihrem Hotel eigene VoD Lösungen an? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.



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